Zum Abschied Mozart
Christian Labhart (CH 2006)

 

Mo. 11. September 2006 20:00 Kino Gotthard Zug
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ZUM ABSCHIED MOZART

Ein Film von Christian Labhart CH 2006, 35 mm, 81 min, Dolby SR

Regie, Drehbuch: Christian Labhart
Chorprojekt, Chorleiter: Thomas Gmelin
Kamera: René Baumann, Otmar Schmid, Richi Grell
Ton: Sandra Blumati, Hanspeter Fischer, Ruedi Gujer und Peter Büttiker
Cast: Rebecca, Wanja, Stefan

Gedanken des Autors:
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Vor drei Jahren, im Frühling 2003 sass ich als Zuschauer im Saal der Rudolf Steiner Schule Wetzikon und hörte ein Konzert des Oberstufenchors unter der Leitung von Thomas Gmelin. 100 Jugendliche sangen ein kirchliches Werk von Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz.

Ich war beeindruckt, ja berührt, mit welch innerer Anteilnahme die Jugendlichen dieses Werk sangen, obwohl sie in ihrem täglichen Leben kaum Berührungspunkte zu dieser Art von Musik haben. Während dieses Konzertes reifte in mir die Idee, einen Dokumentarfilm über ein nächstes Chorprojekt zu drehen.

Die beiden Welten (ganz normale Jugendliche heute / ein klassisches, religiöses Werk aus längst vergangener Zeit) und ihre Berührungspunkte interessierten mich brennend.

Als ich dann erfuhr, dass auf Frühling 2005 das Requiem von Mozart geplant war, zu dem ich eine starke Beziehung habe, war für mich klar: ich möchte diesen Film drehen.

Ich führte intensive Gespräche mit Jugendlichen und dem Chorleiter Thomas Gmelin, war beim Chorprojekt des Jahres 2004 als Zuhörer dabei und befasste mich mit der Biographie Mozarts und seinem letzten, unvollendeten Werk, dem Requiem.

In dieser Vorbereitungszeit erfuhr ich viel über die Freuden und Leiden von 18-jährigen Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsensein. Ich lernte die Hintergründe kennen, warum Thomas Gmelin jedes Jahr ein solch aufwändiges und Kräfte raubendes Chorprojekt auf die Beine stellt.

Im Frühling 2005 begannen die Dreharbeiten. Die Chorproben verliefen harzig, viele Jugendliche schienen nicht besonders motiviert. Thomas Gmelin kam mir immer wieder wie ein Raubtierbändiger vor, der eine Horde von Individualisten in eine Richtung zu treiben versucht.

Die Drehs in der Abschlussklasse und mit den drei Protagonisten waren von Offenheit geprägt, wir konnten trotz Kamera in persönliche Bereiche Einblick nehmen. Der Abschied und das Konzert kamen immer näher, Wehmut und Vorfreude lösten sich ab.

Die Aufführung am Abend des letzten Schultages wurde zu einem Riesenerfolg: zwei ausverkaufte Konzerte vor insgesamt über tausend ZuschauerInnen…

Was habe ich als Autor aus der Arbeit an diesem Film mitgenommen?

Spiritualität, das heisst eine feste Überzeugung, dass Kräfte unser Leben mitbestimmen, die nicht einfach materiell fassbar sind, eine Ehrfurcht vor dem Leben und der Natur und eine Bereitschaft, hinter die Dinge zu schauen sind bei den Jugendlichen von heute da. Sie zeigen sich nicht in frömmlerischer Religiosität, sondern in einem unverkrampften Zugang zu spirituellen Themen.

Die pädagogische Grundhaltung des Chorleiters Thomas Gmelin hebt sich wohltuend von den modernen Konzepten der Anbiederung an die Jungen ab. Er studiert keine play-back Musikshow, kein Rap oder Reggae, sondern das Requiem von Mozart ein. Der heutigen Tendenz der Individualisierung setzt er harte Arbeit von hundert Jugendlichen an einer gemeinsamen Sache entgegen, fordert Verbindlichkeit.

Der Erfolg am Schluss scheint ihm Recht zu geben…"

Christian Labhart

Christian Labhart und 2 ProtagonistInnen sind anwesend