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FORGET BAGHDAD Ein Film von Samir
110 Minuten, Farbe, 35mm Eine filmische Reflexion über die Klischees „des Juden" und „des Arabers" in den letzten hundert Jahren Film, verbunden mit den Biographien von aussergewöhnlichen Menschen: Irakisch-jüdische Kommunisten. Samir ist anwesend ! Samir
– selbst Kind irakischer Einwanderer in der Schweiz, beschäftigt sich
als Filmemacher seit Jahren mit den Fragen von Entfremdung und der Bildung
von Identität. Innerhalb dieser Diskussion ist Prof. Ella Shohat (Soziologin
und Filmhistorikerin an der City University of New York) eine der wichtigsten
Figuren des Films. Aufgewachsen in Israel als Tochter irakischer Juden,
reflektiert sie ihre Geschichte. Forget Baghdad geht unter anderem den
Lebensgeschichten von vier weiteren sehr speziellen Menschen nach: Shimon
Ballas, Professor für Arabisch in Tel Aviv, engagiert in der Pro-Palästinensischen
Friedens- und Bürgerrechtsbewegung. Sami Michael, eineer der berühmtesten
Bestseller-Autoren Israels, der schon Mitte der fünziger Jahre mit dem
Kommunismus brach. Mashe Houri, ein reicher Kioskinhaber und Bauunternehmer
in einem Vorort Tel Avivs. Er wählt immer noch die Kommunisten. Samir
Naqquash, der einzige von den Vieren, der seine Literatur immer noch auf
Arabisch schreibt. Dafür hat er schon etliche Preise gewonnen, aber kein
Verleger will mehr seine Bücher herausbringen. Weder in der arabischen
Welt noch in Israel... Die vier alten Protagonisten waren in ihrer Jugend
durch den Internationalismus der irakischen kommunistischen Partei geprägt.
Doch Anfang der fünfziger Jahre gerieten sie durch ihre religiöse Herkunft
als arabische Juden in Widerspruch zum aufstrebenden arabischen Nationalismus,
den sie paradoxerweise durch ihre politische Arbeit als Kommunisten unterstützt
hatten. Durch ihre Flucht nach Israel kamen sie vom Regen in die Traufe,
denn dort wurden sie als Kommunisten ebenfalls als Aussenseiter behandelt
und misstrauisch beäugt. Obwohl sie sich der arabischen Welt zugehörig
fühlten, mussten sie sich notgedrungen assimilieren und sich eine neue
Kultur aneignen. Als „Mizrahim" und durch ihre politische Orientierung
wurden sie immer wieder zur Zielscheibe von chauvinistischer Ignoranz.
Ihr Leben steht damit exemplarisch für die Geschichte dieses Jahrhunderts
und wie sich eine neue „Welt-Unordnung" durchsetzt. Der politische Hintergrund:
1934 Gründung der irakischen kommunistischen Partei, bis zur Bildungg
der Nationalen Fortschritt-front 1973 (mit der heute regierenden Baath-Partei)
im Untergrund. KP ist eine eher eine städtische Organisation, hat baer
auch viele kurdische Anhänger und spielte 1958 eine grosse Rolle beim
Umsturz gegen den König. Beim rechten Militärputsch 1960 so gut wie ausradiert,
ab März 1979 wieder im Untergrund. Die israelische kommunistische Partei
entstand 1923 als palästinensische kommunistische Partei und teilte sich
schon vor 1948 (Staatsgründung Israel) mehrfach in jüdische und arabische
Flügel. Später entstand einerseits der linkssozialistische, fast rein
jüdische Flügel und andrerseits die fast nur arabische und moskautreue
neue kommunistische Partei. Im Irak waren die Juden zahlenmässig nicht
sehr stark in der kommunistischen Partei vertreten, stellten aber relativ
viele Führungsmitglieder mit Gymnasialbildung, wo entweder französisch
oder englisch unterrichtet wurde; sie beherrschten also mindestens eine
Fremdsprache, was in der Zeit der Internationale sehr wichtig war. 1946
wurde die ‚Liga zur Bekämpfung des Zionismus' gegründet, von Mitgliedern
der komm.Partei, sie existierte nur kurz und operierte dann ebenfalls
im Untergrund. Als die UdSSR der Errichtung eines jüdischen Staates in
Palästina zustimmten, gab es auch nichtzionistische Parlamentsabgeordnete
und konnten so damit leben, einem nationalen jüdischen Staat anzugehören.
Seit Mitte der 50er Jahre gibt es keine Juden mehr im Irak. Die meisten
sind ausgewandert, viele davon nach Israel (in Tel Aviv leben 250 000
irakische Juden – die meistens noch den arabischen Dialekt sprechen, der
im Irak üblich ist. Ausgezeichnet mit dem grossen Zürcher Filmpreis 2002.
Aus der Begründung der Jury: „Hartnäckig stellt Samir den 4 Protagonisten
die Frage nach ihrer Identität und sticht damit mitten in die politische
Aktualität im Nahen Osten....über Filmausschnitte thematisiert er die
medial vermittelten Klischees vom Juden und vom Araber...die komplexe
Thematik findet in einer höchst differenzierten Filmsprache ihren Widerhall.
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