FLIZ EIN LIED FÜR BEKO (Klamek Ji Bo Beko)

NIZAMETTIN ARIÇ (Armenien/D 1992)

 

Mo.3.6.02 20:00 Kino Gotthard Zug

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FLIZ in Zusammenarbeit mit amnesty international

EIN LIED FÜR BEKO
von Nizamettin Ariç

Schweizer Kinopremiere!

Jahrespreis UCCA-ARCI Venedig '92, Kodak Award, Spezialpreis der Jury und Publikumspreis am Festival Fribourg

Farbe, 100 Min., Original mit Untertiteln
Regie und Musik: Nizamettin Ariç
Buch: Nizamettin Ariç, Christine Kernich
Kamera: Thomas Mauch
Schnitt: Gaby Wragge, Susann Laheye, Kerstin Kexel
Ton: Ernst Marell
Darsteller: Nizamettin Ariç (Beko), Bêzara Arsen (Zinê), Lusika Hesen (Zeyno), Cemalê Jora (Cemal)
Eine Co-Produktion von Margarita Woskanian Filmproduktion, WDR und The First Independent Armenian Filmproduction

Der Film erzählt -vor dem Hintergrund der 1988er Kurdenverfolgung Saddam Husseins im Irak - die unfreiwillige Odyssee des Kurden Beko durch ganz Kurdistan (Türkei, Syrien, Irak, Armenien) bis in ein deutsches Asylantenlager. Der erste Film auf kurdisch, illegal gedreht in Armenien, nahe der türkischen Grenze.

Nizamettin Ariç ist anwesend!

Plan der von KurdInnen bewohnten Region (63Kb)

Beko ist Kurde. Weil sein Bruder aus der türkischen Armee desertiert ist, wird nach ihm gefahndet. Eine Spezialeinheit des Militärs durchsucht sein Heimatdorf. Da sie Cemal nicht finden können wird Beko in Geiselhaft genommen. Beim Abtransport gerät der Konvoi unter Beschuß. Beko gelingt die Flucht. Zurück in sein Dorf kann er nicht. Beko macht sich auf die Suche nach seinem Bruder. Schwimmend durchquert er den Euphrat und verläßt damit den türkischen Teil Kurdistans. Über Cemals Verbleib kann er aber weder in Syrien noch im Irak etwas erfahren. Vorübergehend findet Beko in einem Berglager kurdischer Nomaden im irakischen Hochland Zuflucht. Vor ihm hat bereits eine Gruppe ausgebombter Flüchtlinge aus einem tiefergelegenen Dorf Aufnahme gefunden. Während Beko, zunehmend unruhiger werdend, auf Nachrichten von seinem Bruder wartet, beginnt er, sich um die Kinder unter den Flüchtlingen zu kümmern. Diese Kinder sind von Krieg und Verfolgung geprägt, aber ihr Lebenswille ist ungebrochen. Diese Erfahrung hilft auch Beko über die Ungewißheit des Wartens hinweg. Als die Nachricht vom iranisch-irakischen Waffenstillstandes das Lager erreicht - der Film spielt vor dem Hintergrund der Kurdenverfolgungen durch Saddam Hussein im Jahr 1988 - wollen die Flüchtlinge sofort in ihr Dorf zurückkehren. Beko, noch immer ohne Nachricht über den Aufenthaltsort seiner Bruders, läßt sich von Zinê, einem Waisenmädchen, um das er sich besonders gekümmert hat, zum Mitkommen überreden. Schon wenige Tage nach der Rückkehr in ihr Dorf und dem Beginn des Wiederaufbaus der zerstörten Häuser greift die irakische Luftwaffe das Dorf mit Giftgas an. Nur durch einen Zufall ist Beko nicht im Dorf, wird bei seiner Rückkehr aber noch zum Zeugen des Hubschrauber-Angriffs. Nur Zinê hat schwerverletzt überlebt. Alle anderen sind tot. Beko flieht mit ihr über die Berge nach Iran und weiter nach Europa. In Hamburg wird die erblindete Zinê in einem Krankenhaus medizinisch betreut, Beko wohnt zunächst in einem Heim für Asylbewerber. Über Kontakte zu Landsleuten, die schon länger in Deutschland leben, forscht er weiter nach seinem Bruder Cemal.

'Ein Lied für Beko' ist der erste kurdische Film, der auch in kurdischer Sprache gedreht wurde. Weil die Kurden in allen Siedlungsgebieten verfolgt werden, in der Türkei ebenso wie in Irak, Iran oder Syrien, konnten die Dreharbeiten nicht hier realisiert werden. Gedreht wurde der Film deshalb in Armenien.

Zur Biographie von Nizamettin Ariç: 1956 in Agri geboren. Seit 1974 als Sänger und Musiker in verschiedenen türkischen Fernseh- und Radioprogrammen aufgetreten. Nach dem Militärputsch von 1980 und kurzzeitiger Inhaftierung flüchtet er ins Ausland. Weil er in einem Konzert in kurdischer Sprache gesungen hatte, drohte ihm in einem Militärgerichtsverfahren eine fünfzehnjährige Haftstrafe. Sei 1991 lebt N. Ariç in Berlin; 1984 erhielt er dort politisches Asyl. Mitarbeit an verschiedenen Musik-, Theater- und Filmprojekten. 'Ein Lied für Beko' ist seine erste Regiearbeit. Pressestimmen „Dieser Film gleicht einer Reise: In Häuser, Zelte, Regionen, Mentalitäten, deren Geheimnisse wir sonst kaum je Chance hätten zu erkunden. Der Film gleicht einem Konzert: Seine Musik scheint klangewordene Landschaft zu sein. Er gleicht einem politischen Manifest - unsentimental und ohne optische Grausamkeit beklagt er die Ausrottung eines Volkes. Und er ist eine Lektion in politischer Weltkunde. Er zeigt die Situation der Kurden, verfolgt im türkischen, syrischen, irakischen und iranischen Kurdistan." (Der Tagesspiegel) „Ein Mädchen, das kaum mehr spricht, hält hier im Felsversteck ein Tier als Verbindung zum Leben: eine Schildkröte. Die kleine Hand, die den dicken, gefühllosen Panzer streichelt, als wolle sie beweisen, daß jede Härte in der Welt überwindbar ist und die Steine leben können, ist ein Bild von Hoffnung und Verzweiflung zugleich - und in diesem Zwischenbereich bewegt sich der ganze Film." (Stuttgarter Zeitung) „Der Film ist von einer überzeugenden Schlichtheit und Aufrichtigkeit, die Schönheit der Landschaft durch das Grauen der Unterdrückung kontrastierend...Der Film hat eine Würde des Ausdrucks, die seine verzweifelte Bitte um grundlegende Gerechtigkeit unterstreicht." (The Guardian) „Das Wohltuende an diesem Film: daß er vom Nicht-Gesagten lebt, daß er nicht blindlings politische Partei ergreift oder den Zuschauer agitieren möchte, sondern Menschen und ihre Gefühle sichtbar macht - oft ohne Worte, manchmal in einem poetischen Lied." (Süddeutsche Zeitung) 'Ein Lied für Beko' wurde bei verschiedenen Filmfestivals ausgezeichnet - u.a. in Venedig, Montreal, Hamburg u. Straßburg. Prädikat „Besonders wertvoll" Ausgezeichnet vom 28. Internationalen Jugendfilmtest 1993 des Bundesverbandes Jugend und Film e.V. Nizamettin Ariç über 'Ein Lied für Beko': Ich bin Kurde und aufgewachsen mit den kulturellen und politischen Idealen und Traditionen der Kurden. Gleichzeitig wurde mir von Kindheit an - auch gewaltsam - beigebracht, daß ich meine Muttersprache nicht sprechen dürfe und daß wir ein primitives Bergvolk ohne Kultur und Existenzberechtigung seien. Im Laufe meines Lebens habe ich begonnen, mir meine Kultur zurückzuerobern und sie weiterzugeben - zunächst (und auch weiterhin) als Sänger und Musiker. Deshalb mußte ich 1981 aus der Türkei fliehen. Im Exil durfte ich erstmals frei meine Sprache sprechen und vervollkommnen. Unsere Sehnsucht ist, frei und friedlich in unserer Heimat zu leben. Die Kraft dafür haben wir - in unseren Kindern wächst sie heran, und unsere einfachsten und ärmsten Menschen sind ihre lebensklugen Träger. Davon handelt der Film. Wo kaum mehr als das nackte Leben bleibt, ist Hoffnung ein Lebensmittel. Je mehr Menschen in der Welt von uns wissen, umso mehr können wir hoffen. Darum habe ich diesen Film gemacht.

Text:
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http://www.gep.de/ezef/index_233.htm