Chemiekatastrophen des 20. Jahrhunderts

 


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1921: Explosion des Oppauer Stickstoffwerkes

Mitte der 50er Jahre: Minamata

1968: Yusho (Vergiftung)

1976: Seveso

1984: Bhopal

1986: Schweizerhalle

2001: Toulouse

Seveso II Richtlinien

1921: 21.Sept, 1921 im BASF Zweigwerk Ludwigshafen-Oppau. Explosion eines Düngemittel-Silos mit 4500 Tonnen, der einen Krater von 125m Länge, 90 m Breite und 20m Tiefe verursachte (Explosivkraft einer kleinen Atombombe von ca. 1-2-Kilotonnen TNT- Äquivalent). 565 Menschen starben, 2000 wurden verletzt. Oppau wurde fast total zerstört, aber auch Ludwigshafener und Mannheimer Stadtteile. Ursache dürfte eine ungenügende Mischung der Ausgangsstoffe Ammoniumsulfat und Ammoniumnitrat gewesen sein, Ammoniumnitrat ist explosiv / u.a. Hauptbestandteil von Sprengstoff.
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Mitte der 50er Jahre traten in der japanischen Stadt Minamata durch unkontrollierte Verklappung von Abfällen, Schädigungen am zentralen Nervensystem von Menschen und Tieren zutage, die auf eine chronische Quecksilbervergiftung zurückgeführt werden konnten (Minimata- Krankheit). Nach Schätzungen wurden etwa 10 000 Menschen geschädigt, etwa 3 000 sind daran gestorben.
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1968: Am 5 Februar 1968 wurde in Japan bei der Raffinade von Reisöl dieses versehentlich mit einem Gemisch aus PCB und Furanen kontaminiert. Nach Schätzungen erkrankten 2000 Personen, die ihre Nahrung mit diesem Reisöl zubereiteten, an Chlorakne, Haut- und Schleimhautläsionen, starkem Tränenfluss, Abmagerung, Leber-Milz- und Nierenschäden. Die Haut von Neugeborenen war in 90 % dunkel gefärbt. Vermehrtes Auftreten von Lebertumoren.
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1976: Seveso. Im Sommer wurde die Produktion von Trichlorphenol, ein Vorprodukt für Desinfektionsmittel, beträchtlich gesteigert, obwohl Anwohner über Geruchsbelästigungen und Gesundheitsbeschwerden klagten. Die notwendige Modernisierung der Produktion wurde von der Konzernleitung diskutiert, aber nicht umgesetzt. Zusätzlich schlechte Arbeitsbedingungen und unzureichende Ausbildung der Arbeiter. Versehentlich schaltete ein Arbeiter nach dem Schichtwechsel das Rührwerk des Reaktionskessels 101 ab. Die Temperatur zum gemessenen Zeitpunkt war zu hoch (158 Grad), es kam zu einem Hitzestau und endete schliesslich in der Explosion des Kessels über eine Abblasestation in die Umwelt mit folgenden Giften:
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2,4,5-Trichlorphenol, Natrium-2,4,5-Trichlorphenolat, 1,2,3,4- Tetrachlorphenol, Natriumhydroxid; 2,3,7,8-Tetrachölor-dibenzo-p-dioxin (TCDD) = eine hochgiftige Substanz, zehntausendmal giftiger als Zyankali ! Die Aufklärung der Bevölkerung dauerte zu lange, die Untersuchungen der Giftstoffe ebenfalls und es wurde eine ganze Woche in der Fabrik weitergearbeitet. Behördliche Zwangsräumung. Im Herbst begannen erste Entseuchungsarbeiten, die erst im Frühjahr 1980 richtig in Angriff genommen wurden und erst 1984 abgeschlossen waren. Hunderte Bewohner litten an Chlorakne, 70 000 Tiere verendeten oder mussten notgeschlachtet werden, 250.000 m3 Erde mussten entsorgt werden, der Reaktorinhalt wurde in 41 Fässer abgefüllt. Die Spur der Giftfässer verlor sich in Frankreich, noch heute streitet man, ob die Fässer in der DDR gelandet sind oder bei Roche in Basel verbrannt wurden.....
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1984: Bophal, Hauptstadt des Bundestaates Madhya Pradesh /Indien. 3.Dez. 84 im Werk der Union Carbide of India Limited, Tochtergesellschaft der Union Carbide Corporation wurden 40 Tonnen Methylisocyanat (MIC) in die Atmosphäre freigesetzt. Dadurch starben nach off. Angaben 1 600 Menschen sofort, 6 000 an den unmittelbaren Nachwirkungen, bis heute summiert sich die Zahl der Opfer auf ca. 20 000 Personen. Ca ein Fünftel der 500 000 Menschen, die dem Gas ausgesetzt waren, leiden noch unter chronischen und unheilbaren Krankheiten, die sich offensichtlich auch vererben können. Blindheit, Lungenödeme, Krebs. Die Union Carbide zahlte zwar insgesamt 690 Mio Dollar, das Geld gelangte jedoch nur in geringen Mengen an die Opfer.
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1986 Schweizerhalle:. Grossbrand im Chemiekonzern Sandoz (1000 Tonnen Chemikalien). Das Löschwasser geriet in den Rhein und verursachte ein grosses Fischsterben mit einer Verseuchung bis zur Mündung des Rheins. In den benachbarten Orten und Städten wurde eine mehrstündige Ausgangsperre verhängt wegen der Zusammensetzung der Verbrennungsgase.
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2001: Toulouse, 21. Sept. In der zu TotalFinaElf gehörenden Firma AZF (Azote de France) kam es zu einer Ammoniumnitratexplosion (siehe Oppau) einer chemischen Abfalldeponie. In der Fabrik wurden Düngemittel hergestellt. 31 Menschen starben.
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9.Dezember 1996 wurden von der EU die SEVESO –II- Richtlinien zum Katastrophenschutz bei chemischen Unfällen erlassen (in der Nachfolge der ersten Seveso-Richtlinien 1982).Sie legt Nachdruck auf Umweltschutz und führt Stoffe auf, die als gefährlich für die Umwelt, insbesondere das Wasser, sind. Dito neue Anforderungen an Sicherheits-managementsysteme, Notfallpläne, Raumplanung, Verschärfung der Bestimmungen für Inspektionen und Unterrichtung der Öffentlichkeit.

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