NEULICH 1 - 5
Jochen Kuhn (D 2000 -2004)

 

Mo. 14. März 2005 20:00 Kino Gotthard Zug
imdb | filme von jochen kuhn | bisher | home

NEULICH 1-5

5 Animations-Kurzfilme
von Jochen Kuhn

Jochen Kuhn ist anwesend


In Neulich 1 (1999)
teilt der Autor seine Verwunderung darüber mit, dass alle Passanten, die an dem Fenster seines Stehcafés vorbeigehen, so viel Gepäck mit sich herumtragen.

In Neulich 2 (2000)
begleiten wir den Autor zu einem intimen Rendezvous mit einer Ärztin.

In Neulich 3 (2002)
wird der Autor unfreiwillig Zeuge einer zeitgenössisichen Liebesaffaire.

In Neulich 4 (2003)
schildert der Autor Traumbilder der vergangenen Nacht.

In Neulich 5 (2004) beobachten wir den Autor beim Besuch eines Bordells.


Jochen Kuhn, oder die Erfindung des Beiläufigen

Neulich im Café, neulich beim Arzt, neulich an der Bushaltestelle, neulich ein Traum, neulich im Bordell; winzige Erzählungen: Menschen tragen Lasten (woher, wohin?), ein Patient schaut durch medizinische neue Apparaturen in sein Inneres –was sieht er da? "Ablagerungen eines gelebten Lebens; ist das schlimm? Ach wo, das hat jeder" (heisst es). Oder der vierte Beitrag zu "Begebenheiten des täglichen Umgangs", in dem Kuhn dem Traum der unbegreifbaren Schemenhaftigkeit einen bildlichen Ausdruck verleiht und so das Erinnern des Traumes mit dem Betrachten eines surrealen Gemäldes vergleicht...

Man sei Betrachter, nicht Zuschauer vor dem gemalten Bild! Denn es sind gemalte Bilder, die Jochen Kuhn hinhält, rasch verwischt und durch neue ersetzt.

Ein Grenzfall von Animation. Denn die Bewegung entsteht nicht durch Addition von Bildern, sondern durch Auslöschen und Neugestalten. Beiläufig wird das Unfassbare sichtbar gemacht... innere Welten, unsichtbare Lasten...eine Irritation! Es entsteht ein Bild von der Welt, indem man die Bilder auslöscht und andere Bilder an ihre Stelle setzt. Wo bleibt da der Anspruch der Kunst auf - wenn schon nicht Ewigkeit, so doch Dauer?

Sein Film Fisimatenten , kein Zufall, dass die Welt der Kunst zum Gegenstand der Satire gemacht wird!

Ausserdem vielleicht der Beweis, dass Kunst und Film nicht zweierlei ist: Film ist bildende Kunst; die laufenden Bilder sind Bilder geblieben. Sie kommen aber nicht mit der Wucht und Bedrohung von Kunstwerken daher, beim genauen Hinsehe merkt man: Kunst hat den Sinn, der nie ganz preisgegeben wird. Witz und Schönheit, beides gleichzeitig, ergeben ein Gesamtkunstwerk, ein schier sträfliches Amüsement!

Jochen Kuhn: der Maler, Dichter, Musiker, Schauspieler, Kameramann, Beleuchter, Produzent, Regisseur in Personalunion.

Bazon Brock nennt es das Kuhn'sche Widerrufsverfahren. Nichts steuert auf ein konsequentes Ziel zu, sondern es gibt an jedem Punkt eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie sich etwas entwickeln könnte. Es gibt keine Verunsicherung des Zuschauers, sondern die Eröffnung (Musil) des Möglichkeitsinns, den auch Tucholsky thematisiert hat.

Es geht nicht ums Malen für die Ewigkeit, sondern um permanenten Wandel.

Die Farben: grau, braun...Farbwertigkeit eines vorgestellten Raumes. Die Arbeit von Kuhn funktioniert so, wie es sich die Surrealisten tiefenpsychologisch vorgestellt hatten.

Fisimatenten (Sybille Berg) war der unzeitgemässeste Film der Saison (FLIZ, Januar 2001). Einer zum Selberdenken. Es geht um Maler, Mäzene, Markt oder um Kunst, Kommerz, Bild und Eros. - Eine Parodie des Zustandes der modernen Kunst, mit grosser Wärme vorgetragen, dass man das Vernichtende der Bestandsaufnahme versehentlich übersehen kann. (...so leichthändig und hintergründig ist lange nicht mehr erzählt worden.... eine märchenhafte Ahnung vom Glück. Das ist mehr als man im deutschen Kino sonst bekommt. (Die Zeit)

Was Jochen Kuhn am meisten an der Animation interessiert:

Die Annäherung an den schöpferischen Kern, der vor der handwerklichen Umsetzung liegt. Mittels der Animation / Zeitraffung kommt die Kamera in den Kopf des Machenden und belauscht einen inneren Monolog.


Der Hamburger Filmemacher Jochen Kuhn, hat die subversive Fähigkeit, Bilder und Worte zu schaffen, deren leichthändige, traumartige Atmosphäre den Effekt von Urbildern hat. Er ist bislang vor allem durch seine international ausgezeichneten Animations-Kurzfilme berühmt geworden und hat 1999 mit Fisimatenten seinen ersten Spielfilm gedreht. ( bei FLIZ hat er diesen Film am 8.1.2001 vorgestellt )


Jochen Kuhn: geb 1954 in Wiesbaden, Kunststudium in Hamburg, seit 1972 Filme, Malerei, Drehbücher, Filmmusik, Fotos. DAAD- Stipendium in Rom, Villa Massimo-Stipendium, seit 1991 Professor an der Filmakademie Ludwigsburg /Baden Württemberg. Neben Neulich 1-5, ca. 15 Animationsfilme und 1999 "Fisimatenten" als Spielfilm mit Animationen; Mitwirkende u.a. Maximilian Schell, Tonio Arrango, Edgar Selge.

Festivals, Preise und Auszeichnungen auch unter. www.jochenkuhn.de


und ein Buchtipp:

Jochen Kuhn / Malerei, Filme, Skizzen mit Texten von Emi Bollweger, Sibylle Knauss, Sibylle Berg, Bazon Brock, Simone Mahrenholz, Ulrich Kavka, Jochen Kuhn; mit einem Literaturverzeichnis.

Stock & Stein, Edition Kavka, Herausgegeben von Emi Bollweger, ISBN 3-910179-59-2

Jochen Kuhn
Richard- Wagner- str. 1
D 71638 Ludwigsburg
Jochen.kuhn@gmxJ
www.jochenkuhn.de


Jochen Kuhn ist anwesend