FLIZZEIT DER TITANEN

EDGAR HAGEN (CH 2001)

 

Mo. 11.3.02 20:00 Kino Gotthard Zug

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ZEIT DER TITANEN (CH 2001)
von Edgar Hagen

2001, CH, 35 mm, Farbe, 80 min.
Franz/deutsch/ital. Mit deutschen+franz. Untertiteln

Buch, Regie. Edgar Hagen
Beratung: Albert Bezinge
Kamera: Séverine Barde, Milivoj lvkovic
Kameraassistenz: Eric Stitzel, Alexandre Monnier Aufnahmeleitung: Lucas Piccolin
Ton: Christophe Giovannoni, Benedict Fruttiger
Schnitt: Loredana Cristelli
Musik: Christian Zehnder
Mitwirkende:
die Mineure: Farnand Dubuis -Arthur Pollinger - Albert Sierro - Michel Mayor -Jean Mötrailler -Jean Pierre Monnet - Angelo Ivani - Francesco Mergoni- Lino Maggia - Remo Surlese
Jacques Desmeule, Direktor der Grande Dixence S.A (1960 -67);
Maurice Chappaz, Schriftsteller und Hilfsgeometer (1956- 58);
Aberto Righatti, Marcello Righetti, Geometer -,
Marcel Claivaz, Kantinenwirt;
Raymond Cusin, Techniker;
Michel Freitag, Soziologie-Professor und Hilfsmineur (1951-58);
Daniel Crettenand, Krankenpfleger;
Dr. Jean-Marie Tschopp, Ärztlicher Direktor Centre Valaisan de Pneumologie-,
Lucie Favre-Prolong, Witwe des MineLjrs Benjamin Favre. Texte von Maurice Chappaz: "Gesang von der Grande Dixance" (1965);
Archivfilme:
Claude Goretta: Grande Dixence 1960 TSR,
Jean Luc Godard: Operation Beton. Actua Films 1954; Herbert Meyer. Strom aus dem Berg, Condorfilm.


(aus tec21 Nr.45/2001,km)
ZEIT DER TITANEN,
Gesang von der Grande Dixence, der grössten Staumauer der Welt
"Der Gletschersaum, die braune Grasnarbe, der blaue Himmel, schmeckt das nicht besser als die Reisen unter der Erde?" " Überhaupt nicht ", gab die Bohrmannschaft zu verstehen, " Erstens einmal ", versicherten sie alle, "vergeht im Stollen die Zeit schneller. Zu langes Tageslicht verdriesst dich! ... " (aus: Maurice Chappat, "Chant de la Grande Dixence".
Zwischen 1950 und 1966 wurde sie gebaut, die Grande Dixence, mit 285 Metern die grösste Staumauer der Welt, ein monumentaler Bau auf über 2000 Metern Höhe in den Walliser Alpen. Das 160km lange Stollenlabyrinth führt im Sommerhalbjahr Schmelzwasser von 35 Gletschern dem Stausee zu und entleert es im Winter auf'die Turbinen der Elektrizitätswerke im Val de Bagnes und im 1900 Meter tiefer liegenden Rhonetal. Eine vermessene Idee, ein gigantisches Unterfangen - wer sind die Männer, die sich jahrelang kilometerweit in das Berginnere vorgearbeitet haben? Die ein Leben lang an verschiedenen Orten als Mineure ihr Brot verdienten, unter widrigsten Bedingungen und in ständiger Nacht. Die zu Tausenden bei dieser Arbeit umkamen - welche doch die Überlebenden mit Stolz erfüllt, dem Stolz des Schöpfers über sein Werk, das grösser ist als er selbst - und das wahrscheinlich Jahrhunderte überdauern wird? Filmregisseur Edgar Hager hat die wenigen noch lebenden Männer, die am Bau der Grande Dixence beteiligt waren, aufgesucht und ist mit ihnen zurückgegangen in den Berg. Hat sich und uns die Geschichte dieses Titanenwerks erzählen lassen und unter technisch anspruchsvollsten Bedingungen - ein begeisterndes filmisches Werk geschaffen.

Mehr als das Menschenmögliche
"Zeit der Titanen" ist eine Geschichte über den Kampf zwischen Mensch und Natur, in dem der Mensch durch sein Werk über sich selbst hinauswächst. Die Zuschauerin, der Zuschauer tauchen ein in eine fast geschlossene Männerwelt, wo der Einzelne nichts ist ohne die Gruppe und doch alles in jedem Moment auch von jedem Einzelnen abhängt. Wo sich das viel beschworene Restrisiko - die gigantische, unbändige Natur - wie ein Schatten an die Männer und ihre Arbeit heftet, sie ab und an in die Knie zwingt und gleichzeitig zu Höchstleistungen herausfordert. Der Film dokumentiert, lässt es - zu Recht - zu, dass wir fasziniert sind von dieser Welt, der in ihr steckenden Kraft und - ja, auch trotz der Härte - ihrer Poesie, stellt nicht die Frage nach dem Warum oder dem Wozu. Aber diese Fragen tauchen beim Zuschauen ganz von selber auf: Gehört dieser Gigantismus nicht einer vergangenen Epoche an? Sind technische Werke, die mit so vielen Menschenopfern erkauft wurden, wirklich noch ein Segen? Können wir uns weiterhin erlauben, uns die Erde auf diese Weise untertan zu machen? Und auch: Ist es vorstellbar, dass Frauen dieses Werk erdacht und realisiert, auf diese Weise mit der Natur gerungen hätten? "Zeit der Titanen" ist ein wunderbares Zeitdokument und auf seine Art ein wichtiger Beitrag zur Diskussion um den Umgang mit den technischen Möglichkeiten unserer Zivilisation.