Das Schiff des Torjägers

Heidi Specogna (D/CH 2010)

 

Mo. 8. August 2011 20:00 Kino Gotthard Zug

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DAS SCHIFF DES TONJÄGERS

Von Heidi Specogna

D/CH 2010, 91 Min, 35 mm, color, D, F, Afrikanische Sprachen UT d

Regie, Buch: Heidi Specogna
Buch: Kristine Kretschmer
Kamera: Rainer Hoffmann
Schnitt: Ursula Höf
Ton: Paul Oberle, Bernd von Bassewitz
Ton Aufnahmemischung: Matthias Lempert
Ton Schnitt: Kai Tebbel
Musik: Hans Koch


«Von der deutschen Fußball-Bundesliga zum afrikanischen Kindersklavenhandel ist es nur ein kleiner Schritt: Umsichtige und bewegende Doku über die Folgen eines Skandals.

2001 sorgte ein humanitärer Eklat nicht nur in Deutschland für ein großes Medienecho und beendete über Nacht die Karriere des nigerianischen Torjägers Jonathan Akpoborie. Der treffsichere Stürmer des Bundesligisten VFL Wolfsburg war Eigentümer eines Schiffes, das Kinder illegal nach Gabun transportierte, wo sie Sklavenarbeit verrichten sollten - ausgerechnet von Benin aus, dem Mutterland des Sklavenhandels.

Heidi Specogna forscht neun Jahre später ohne jede Sensationsgier nach, was aus den Betroffenen wurde und spürt traurige Schicksale hinter einer Zeitungsmeldung auf, indem sie die Geschichte großräumig, aber präzise einkreist.

Darunter Akpoborie selbst, der keine Chance bekam, nach dem Verdacht seine Unschuld zu beweisen: Der begnadete Ballathlet, der mit Nigeria die U-17-WM in China gewann und mit seinen Profiverträgen in Deutschland die eigene zwölfköpfige Familie aus der Armut enthob, stand am Zenit seines Erfolgs. Sein Plan, ein Geschäft zu starten, für das er zwei blitzsaubere europäische Fähren für Transporte in Afrika erwarb und seinen Brüdern die Geschäftsführung überließ, begann vielversprechend und endete desaströs. Nun lebt Akpoborie wohlhabend in seiner Heimat und vermittelt junge afrikanische Talente nach Europa. Dennoch: Alles, was er sich 20 Jahre lang aufgebaut hatte, war mit einem Schlag fort, verschluckt vom Meer - wie das Wrack seiner Fähre, von dem die Brandung des Atlantiks nur noch rostige Reste umspült.

Weniger gut ergeht es zwei ehemaligen Passagieren des Seelenverkäufers, Adakou und Anato, die sich als junge Erwachsene an ihren Kindheitsalptraum erinnern, der sie für immer veränderte. Ihre Eltern verkauften sie aus Nahrungs- und Geldnot, weil sie naiv genug waren, den durchsichtigen Versprechen der Menschenhändler zu glauben. Diese Naivität ist allein mit dem mangelnden Bildungsstand zu verstehen und hat das Vertrauen der Kinder in ihre Eltern vernichtet. Ihre Schilderungen bestürzen, die Specogna behutsam und ohne jede Sentimentalität anbringt. Ihre handwerklich erstklassige Doku setzt sich bedacht und durchdacht mit der Situation des Kinderhandels auseinander. Durch den Medienaufschrei geriet eine hässliche afrikanische Tradition schlagartig zum Thema - somit hat das Ereignis viel verändert. Betroffene, Angehörige, Beteiligte, Beamte und Hilfsorganisationen, selbst ein Mitarbeiter des VFL, stellen von der Regie unkommentiert ihre Standpunkte dar, was ein umfassendes Bild von der Handelsware Mensch ergibt. tk.» kino.de

Heidi Specogna ist anwesend