Die grosse Erbschaft

Fosco Dubini und Donatello Dubini (CH 2010)

 

Mo. 16. 4. 2012, 20:00 Kino Gotthard Zug

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bild adakoun

DIE GROSSE ERBSCHAFT

Dokumentarfilm von Fosco Dubini, Donatello Dubini
CH 2010, 92 Min., I/D,d

Buch, Regie, Kamera: Fosco Dubini, Donatello Dubini
Texte: Barbara Marx
Schnitt: Fosco Dubini, Donatello Dubini
Musik: Heiner Goebbels
Produktion: Cardo Dubini

Die Filme von Donatello und Fosco Dubini waren schon immer Familienunternehmen. Dies gilt mehr noch als für die früheren Werke für ihren jüngsten Film.
«Die grosse Erbschaft» forscht der eigenen Familiengeschichte nach. Leider ist es auch der letzte gemeinsame Film der Dubini-Brüder – Donatello starb im Frühling 2011, kurz nach der Präsentation von «Die grosse Erbschaft» an den 46. Solothurner Filmtagen.
Ein Telefonanruf bewirkt, dass sich der in Köln lebende Filmemacher Fosco Dubini nach Lodrino aufmacht, ein 500-Seelen-Dorf im Tessin. Das Haus der Grosseltern sei abgebrannt, so Vater Lino, der selber seine Kindheit und Jugend im Dorf verbracht hatte. Gemeinsam mit dem Vater durchstöbert Fosco ein erstes Mal das vom Brand arg in Mitleidenschaft gezogene Haus. Die russbedeckten Lampen, Figuren, Teller werden zum Schattenspiel und wecken das Jagdfieber des Filmers. Dazu gibt es noch einen weiteren Anreiz: Die als geizig bekannte Grossmutter soll hier irgendwo einen Schatz versteckt haben. Bei der Schatzsuche stösst Bruder Donatello hinzu, später auch der dritte Bruder: Architekt Cardo, der die dokumentarische Reise produziert hat. Die Räume, Winkel, Gegenstände, die alten Fotografien von Grosseltern, Onkels und Tanten, die hier zum Teil ihr ganzes Leben verbrachten – alles erzählt eine Geschichte. Die Geschichte einer geschlossenen Gesellschaft von eingewanderten Italienern, die von den Tessinern nie als Schweizer akzeptiert wurden. Doch die Spurensuche der Dubini-Brüder ist mehr als eine nostalgische Reliktensammlung: Sie wird zur erhellenden Erinnerungsarbeit, zur Dokumentation
eines Stücks Tessiner Sozialgeschichte. Vom Prolog – dem Beginn des Abbruchs des Hauses bis zum Epilog (dem Dorf fällt nichts Besseres ein, als das Dubini-Grundstück mit einem Parkplatz zuzupflastern) – spannt sich der weite Bogen,
es werden Umstände und Verhältnisse sichtbar. Und am Ende erstehen die alten Mauern aus Schutt und Asche auf wundersame Weise wieder auf. Die grosse Erbschaft wächst an sich selbst und weit über eine Familienchronik hinaus, ist spannend und amüsant. Die Brüder, aber auch Verwandte, Zeitzeugen, Söhne und Cousins machen die Vergangenheit lebendig. Fosco Dubini, der Chef-Schatzsucher, fungiert dabei als Handkameramann und Erzähler, der am Ende dank der Spürnase seiner Mutter noch eine ganz spezielle Entdeckung
macht. Zwischendurch werden immer wieder poetische Texte von Barbara Marx eingestreut. Und so öffnet sich dieses scheinbar tote Haus wie ein Füllhorn von Leben und Schicksalen. Oder wie Marx es formuliert: «Das Gehäuse zeigt die aus Kalkül und Not geborene Übereinkunft der Einwanderer.»
«Die grosse Erbschaft» ist ein sehr persönliches Filmdokument, ein wunderbares Vermächtnis, das mit leicht ironischem Unterton die Erinnerung an die Familie Dubini wach hält. Auch die Erinnerung an Donatello Dubini.

Der Produzent Cardo Dubini ist anwesend