Regilaul

Ulrike Koch (CH/EE 2011)

 

Mo. 9. 7. 2012, 20:00 Kino Gotthard Zug

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REGILAUL

Dokumentarfilm von Ulrike Koch
CH/EE 2011, 104 Min., 35 mm, Estnisch, UT d

Buch und Regie: Ulrike Koch
Kamera: Pio Corradi
2nd Cam: Arvo Vilu, Erik Norkroos
Kullar Viimne
Schnitt: Magdolna Rokob
Ton: Mart Kessel-Otsa
Tonmix: Florian Eidenbenz
Produzentin: Rose-Marie Schneider

Gedanken der Regisseurin:
«In Regilaul begegnet uns eine aus dem eigenen, tief erwurzelten Brauchtum und Gesang erwachsende Überlebenskraft. Die Neubelebung dieser Liedkultur, ihr Platz im heutigen Alltagsleben, bis hin zu den von Veljo Tormis auf der Grundlage des alten Liedguts komponierten Zyklen erlauben eine lebendige Sicht auf die Frage der kulturellen Identität in einem Zeitalter, in dem die Unterschiede so schnell dahinschmelzen wie unsere Gletscher. Über Jahrhunderte war die Geschichte Estlands geprägt von Fremdherrschaft und Unterdrückung. Die Rückbesinnung auf die eigene Stimme, auf ein einfaches Lied, war ein wichtiger Faktor dafür, dass das Land mit einem Bevölkerungsanteil von knapp einer Million Esten seine Freiheit wieder finden konnte. 1988 sangen bei einer Demonstration auf dem Tallinner Sängerfestplatz 300'000
Menschen unter anderen Liedern ihre von der Sowjetherrschaft verbotene Hymne. Nach einem überwiegend friedlichen Prozess der Loslösung, bekannt geworden als "Singende Revolution", stellte Estland im August 1991 seine Souveränität wieder her. Inzwischen ist Estland EU‐Mitglied.

In Regilaul begegnet uns ein Lied von eigentümlicher Stärke. Die Wiederholungen der Achtsilbenverse und die Veränderungen, die aus den Wiederholungen hervorgehen,
entwickeln einen Sog und führen zu einem inneren Wiedererkennen. Die Lieder sind freudig und scheinen erfüllt von Licht und der Weite des hohen Nordens. Sie sind aber
auch tief, geheimnisvoll und vielschichtig wie die jahrtausendealten Moorlandschaften. Das darin verborgene Wissen ist selbst für die in Estland intensiv betriebene
folkloristische Forschung nicht immer rekonstruierbar. Teilweise sind die Liedtexte skurril und lassen uns staunen vor jenem "anders in die Welt blicken", das Nietzsche bezüglich der Philosophen des ural‐altaischen Sprachbereichs in "Jenseits von Gut und Böse" beschrieb. Weite, bis heute nicht wirklich enträtselte Horizonte tun sich auf, deren historische Bezüge in ferne östliche Regionen zu reichen scheinen.
Als ich begann, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen, eröffnete sich mir eine Welt, in die einzutreten eine Herausforderung darstellt. Sie gleicht, wie eine der Protagonistinnen es sagt, einer Schatzkiste, die nur mit Behutsamkeit zu öffnen ist. In Estland ist das Volkslied kein harmloses, unzeitgemässes Relikt aus einer überkommenen Zeit. Vielmehr trägt es grossen Reichtum und eine Art Sprengkraft in sich, mit der eigentümlichen Fähigkeit, Traumata zu verwandeln und Mut zu machen zu persönlicher und kollektiver Identität.»

Ulrike Koch ist anwesend