Empire Me - Der Staat bin ich!

Paul Poet (A, D, Lux 2011)

 

Mo. 10. 6. 2013, 20:00 Kino Gotthard Zug

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bild adakoun

EMPIRE ME

A, D, LUX 2011
99 Minuten / HD / OV,d

Buch und Regie: Paul Poet
Kamera: Enzo Brandner, Gerald Kerkletz, Jerzy Palacz
Ton: Joe Knauer, Atanas Tcholakov
Schnitt: Karina Ressler
Musik: Alexander Hacke

Angesichts von Schuldenkrisen, spekulativen Rettungsfonds und drastischen Sparpaketen, wer denkt da nicht ans auswandern? Einfach weg. Doch wohin? Wo lebt es sich gerechter, gesünder und entspannter als vor Ort? Das fragte sich auch Regisseur und Künstler Paul Poet. Er machte sich auf die Suche und fand Menschen, die in ihrem eigenen Utopia leben. Mehr als 500 solcher Mikroorganismen soll es weltweit geben. Poet besuchte 30 Ministaaten. Sechs wählte er für seinen Film Empire me - Der Staat bin ich! aus.

In kleinen Episoden, die durch Zwischenbilder und -texte verbunden werden, stellt Poet Gründer und Bewohner der so genannten Mikronationen vor. Man ist gespannt: Sind sie glücklicher und zufriedener? Sind sie unabhängig und frei von zum Beispiel wirtschaftlichen Verwerfungen? Geht es bei ihnen gerechter zu? Mit anderen Worten: Wäre ein Ministaat eine Alternative zum "normalen Leben" in einem "normalen
Land"?

Poet gelingt eine staunenswerte Kolportage über nahezu unbekannte (Mini)Staaten. Eine bunte Palette, die sich grob unterteilt in esoterische Sektierer, politisch-künstlerische Aktivisten und skurrile Eigenbrötler.
Während die einen ein weltabgewandtes Leben, konzentriert auf ihren eigenen Mikrokosmos, führen, verzetteln sich die anderen in Scharmützeln mit der Außenwelt oder kopieren das
alte Leben mit angepasstem ideologischem Überbau.
(...)
Allein für seine Filmidee gebührt Paul Poet großes Lob. Er erweitert den Horizont. Sich auf sechs Mikronationen zu konzentrieren, birgt aber Vor- und Nachteile.
Vorteil ist eine gewisse Bandbreite, die Gefahr der Langeweile ist auf ein Minimum reduziert.
Der Nachteil dieser Vorgehensweise besteht aber in einer tendenziellen Beliebigkeit. Poet macht kaum einen Hehl aus seiner Position. Das, was er über eine Gemeinschaft zeigt, ist seine Sicht. Für anderes bleibt keine Zeit. Dabei wünschte
man sich, mehr über den tatsächlichen Alltag der Gemeinschaften mitzuerleben. Man wünschte sich, Poet würde tiefer in die Materie eintauchen, als sein Film den Anschein macht.

Filmisch gelingen ihm spektakuläre Bilder. Polizeistaat in Christiania. Ausufernde Gewalt. Ein Katastrophenfilm. Die wahnwitzigen Serenissima-Flöße, die in der Dämmerung durch die Wasserstraßen Venedigs gleiten. Bizarre Schönheit. Das
scheppernde Rost-Ungetüm Sealand. Drohend und faszinierend zugleich. Auf der anderen Seite leider auch reportagenhafte Allerweltsbilder.

Insgesamt ist Empire Me - Der Staat bin ich! eine unterhaltsame und witzige Tour durch die bizarre Welt der Mikronationen, lediglich die teilweise etwas tendenziösen
Zwischentexte des Regisseurs schränken das Vergnügen ein.

(Monika Sandmann, kino-zeit.de)

Paul Poet ist anwesend