Metamorphosen

Sebastian Mez (D 2013)

Montag 8. Dezember 2014, 20:00 Kino Gotthard Zug


imdb-link | filmhome | trailer | critic.de | berlinale 2013: interview mit s.mez | arte: reportage über geschlossene städte und radioaktivität in der udssr (youtube) | wikipedia: kerntech. anlage majak | wikipedia: kyschtym-unfall majak | vimeo: video "verseuchtes Land, die atomfabrik majak" | biologische wirkung von radioaktiven strahlen | radioaktive strahlung und gesundheit | bisher | home

Metamorphosen
D 2013

84 Minuten, DCP, 1:1.85, schwarz-weiss
Sprache: Russisch/d

Buch, Regie, Kamera: Sebastian Metz
Regieassistenz und Dolmetscherin: Renata Kosenko
Montage: Katharina Fiedler
Ton: Levitate

Nach der Atomkatastrophe in Fukushima stellte Sebastian Mez Nachforschungen an über Atomunfälle.
Dabei stiess er schon bald auf den weitgehend unbekannten Super Gau in der Plutoniumfabrik von Majak (Kyschtym-Unfall): Im Südural, in der damaligen UdSSR, explodierte am 29. September 1957 ein Lager für radioaktive Abfälle und setzte riesige Mengen von strahlendem Material frei. Lange blieb der Unfall der Öffentlichkeit in West und Ost verborgen, wurde vertuscht und totgeschwiegen.
Obwohl heute bekannt, wird kaum darüber berichtet, dabei ist es wohl die am stärksten verstrahlte Gegend der Erde.
Und immer noch leben Menschen dort. Vergessen von der Öffentlichkeit, ohne Unterstützung vom russischen Staat müssen sie gezwungenermassen ausharren, wie in einem Niemandsland, täglich der unsichtbaren Gefahr ausgesetzt.

Sebstian Mez ist zusammen mit Renato Kasenko dorthin gereist. In mehrwöchigen Aufenthalten hat er sich genau umgeschaut, hat nach und nach das Vertrauen der BewohnerInnen gewinnen können. Sie merkten, dass er nicht einer von den schnellen Tagesjournalisten ist, die nur Sensation suchen.

Viele Filme über Themen rund um die Radioaktivität sind trockene Dokumentationen, die sich in erster Linie an unseren Intellekt wenden: Sie zeigen "Fakten". Das unsichtbar Bedrohliche in Bildern zu zeigen gelingt ihnen nicht, sie versuchen es gar nicht.

Sebastian Mez nähert sich der Aufgabe von einer anderen Richtung her. Mit einem klaren gestalterischen und künstlerischen Ansatz setzt er Kamera, Ton und Schnitt ein. Seine intensiven, ruhigen Aufnahmen sind sorgfältig komponiert in einem wunderschönen Schwarzweiss. Die Schönheit und die Poesie dieser Bilder wirkt dabei keineswegs verharmlosend, ganz im Gegenteil. Zusammen mit dem sparsamen Sound entsteht eine suggestive Wirkung, die einem die Radiaoaktivität körperlich spürbar macht.

Mez hat keinen effekthascherischen Film gemacht über ein vergessenes Katastrophengebiet, vielmehr hat er ein allgemein gültiges, künstlerisches Dokument geschaffen über die Auswirkungen der Radioaktivität.

Sebastian Mez ist anwesend